Im sudanesischen Flüchtlingscamp
Das Leben in der Hauptstadt (Addis Abeba) eines Entwicklungslandes wie Äthiopien unterscheidet sich vom Leben in Deutschland. Doch vergeleicht man die Lebensbedingungen eines Flüchtlingslagers mit dem Leben in Deutschland sind die Unterschiede kaum darzustellen. Während man in Addis doch manchen Komfort wie fließend Wasser, diverse Einkausmöglichkeiten, Restaurants und sonstige Bequemlichkeiten genießen kann,
ist davon im Flüchtlingslager nichts vorzufinden.
Das Camp erinnert an ein Szenario einer "National Geographic" Dokumentation über Afrika.
Die sudanesischen Flüchtlinge (Uduks) leben unter einfachsten Bedingungen in Strohhütten.
Die Temperaturen liegen bei über 30 Grad. Gerade um die Mittagszeit ist es sehr heiß!
Weil die Uduks als Flüchtlinge kein Land bewirtschaften dürfen sind sie vollständig auf die Hilfe der UN angewiesen.
Jedem erwachsenen Uduk stehen 15 kg Mais monatlich zur Verfügung - das war's! Damit müssen die Flüchtlinge zurechtkommen.
Die Uduks essen einmal am Tag gegen 16 Uhr. Viele Kinder leiden unter Unterernährung und Dehydralisierung.
Gerade unter diesen schweren Bedingungen ist die Fröhlichkeit der Menschen beeindruckend.
Gastfreundschaft, Freundlichkeit und eine unheimliche Geduld und innere Ruhe zeichnet diese Menschen aus,
die in der Vergangenheit soviel Leid erleben mussten.
Überall sind lachende Kinder aufzufinden die einem einfach nur die Hand schütteln wollen.
Apropos Kinder - ich war bewegt von der Riesenanzahl an Kindern.
Da die Uduks nach der Einführung der Scharia von den Nordsudanesen aufgrund ihres christlichen Glaubens schwer verfolgt wurden, waren Ende der 80er Jahre gerade noch 8.000 Uduks am Leben. Aus Angst als Volk ganz "auszusterben" zeugten sie viele Kinder.Heute (20 Jahre später) gibt es 18.000 Uduks. Jede Frau hat im Durchschnitt 7 Kinder (zum Vergleich in Dtl. 1,3 Kinder je Frau!)
Jetzt steht die Rückkehr in den Sudan bevor. Viele der Uduks kennen ihre eigene Heimat gar nicht,
da Sie schon seit der Geburt im Flüchtlinglager leben. Die Herausforderungen in der Heimat werden groß sein.
Da nicht alle als Bauern ihren Unterhalt bestreiten können wollten wir einen Beitrag leisten den Uduks zu helfen
nach ihrer Rückkehr kleine Gewerbe wie Kaffee - und Zuckerhändler, Lebensmittladen, Friseur, Metzgerei, Bäckerei, Schneiderei, Teehaus etc. aufzubauen. Daher schulte ich und mein äthiopischer Kollege von SIM rund 25 Uduks die Grundlagen des Betreibens eines Kleingewerbes.
Das Training nennt sich "Business as a Bridge" (Geschäft als Brücke). Wir möchten vermitteln,
dass das Führen eines Geschätfes keinesfalls dem christlichen Leben gegenübersteht.
Manche Afrikaner glauben, das ein überzeugter Christ kein Geschäftsmann sein kann, da viele Geschäftsmänner in Afrika korrupt und betrügerisch arbeiten. Doch wir sind davon überzeugt, dass ein christlicher Lebensstil und das Führen eines Gewerbes nicht gegenteilig sein müssen.
Das Training an sich war herausfordernd. Da viele nur eine unzureichende Bildung haben, war es nicht einfach die Prinzipien zu vermitteln. Für die meisten war das Gehörte total neu. Für Sie war bis dato die Landwirtschaft die einzig vorstellbare Einkommesmöglichkeit.
Doch auf spielerische Art und vor allem durch praktische Beispiele gelang es uns die Grundlagen zu vermitteln.
Einige waren angeregt und ermutigt ein Kleingewerebe nach der Rückkehr in den Sudan aufzubauen. Genau das war unsere Absicht für das Training.
Die Sudan Interior Church (SIC) und andere Organisationen werden auf der anderen Seite der Grenze den Uduks helfen die Vorhaben umzusetzen.
Ich bin dankbar für diese nicht einfache aber sehr wertvolle Zeit.
